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Reißt der Hund mit Vorliebe die neuen Edel-Stauden aus der Erde, und Sie haben nicht schnell genug reagiert, verführen Sie ihn in einer ruhigen Minute dazu, indem Sie (scheinbar) ganz unbeteiligt im Garten arbeiten während er sich funkelnden Auges dem Objekt der Begierde nähert. Da Sie ihn die ganze Zeit aus den Augenwinkeln beobachtet haben, können Sie, wenn er gerade buchstäblich das Problem an der Wurzel packt, mit einem bösen Schimpfen über den Fang fassen oder ihm von hinten (!) eine Handvoll Erde auf den Po werfen. Das Prasseln muss aus heiterem Himmel kommen, damit Ihr Vertrauensverhältnis nicht belastet wird. Parallel dazu muss laut gebrüllt werden!Hört der Hund auf mit der unerwünschten Aktion: spielerisch ablenken und das sofortige loben nicht vergessen! Welpen denke sich vieles aus, was Ihnen nicht besonders gefallen wird. Wahrscheinlich werden Sie nach einer Woche – wenn Sie noch keinen Hund hatten – seufzen, wie anstrengend das alles ist. Keine Frage – das ist wahr. Aus einem Welpen einen gut erzogenen, zuverlässigen Hund zu machen, ist eine Leistung. Doch bedenken Sie, dass der Hund verschiedene Lebensphasen durchläuft und sich erst ein Weltbild aufbauen muss. Das geht natürlich am besten mit den Zähnen und mit den Pfoten. Wie soll er wissen, wie sich ein Teppich wirklich anfühlt, wenn er nicht mit den Zähnen hinein gebissen hat? Nagt der Welpe mit Freude an etwas Verbotenem wie Stuhlbeinen, Kinderfersen, Schuhen usw. sollten Sie ihm immer sofort einen erlaubten Beißgegenstand als Alternative anbieten und die Objekte der Beißbegierde mit Nelkenöl oder Bitter Apple einreiben.
Machen Sie in den ersten Wochen keinen Schritt ohne einen Spiellappen oder einen Kauknochen in der Tasche, mit dem Sie den kleinen Haifisch jederzeit ablenken können. Noch ein Tipp: Verzichten Sie sich selbst zuliebe anfangs auf allzu gute Kleidung beim Umgehen mit dem Welpen – Sie werden es sonst bereuen! Vor allem Strickpullover oder –Jacken sind schnell reif für den Altkleiderbeutel, weil sich Krallen und Zähnchen in den Maschen verhaken und Laufmaschen ziehen. Damenstrümpfe aus Perlon und Seidenblusen sind natürlich auch stark gefährdet! Auch Besuchern, die sicher in Scharen den neuen Hund besichtigen wollen, sollten Sie derbe Sweatshirts und Jeans ans Herz legen. (Röcke kann man als Welpe herrlich am Saum packen und totschütteln – das ist nicht jederfraus Sache!). Von feiner Garderobe brauchen Sie sich aber nicht für immer verabschieden: Mit der Zeit wird der Hund ruhiger, und viele „Kindersünden“ geben sich mit der größer werdenden Reife. Nach einigen Monaten sind Sie und er Hund ein eingespieltes Team, und über die Anfangsprobleme können Sie nur noch lachen. Ihr junger Hund will viel beschäftigt werden – ansonsten sucht er sich selbst ein paar Hobbys, die nicht unbedingt mit Ihren Vorstellungen übereinstimmen müssen. Das Üben der „Unterordnung“ (=Grundgehorsam) auf einem Hundeplatz möchten wir Ihnen für den „Heranwachsenden“ dringend ans Herz legen. Zum einen lernen Sie viele Leute kennen, die Ihnen gute Tipps geben können (aber lassen Sie sich nicht zuschütten, und glauben Sie nicht alle Ammenmärchen. Viele selbsternannten „Experten“ stürzen sich nur zu gern auf unwissende Opfer und verunsichern sie mit Vorliebe).
Zum anderen lernt Ihr Hund auf dem Platz viele Artgenossen kennen und gewöhnt sich daran, auch unter Ablenkung zu üben.
Der Welpe wird dort hoffentlich mit anderen Welpen spielen können (Welpenspielgruppen oder so genannte Prägungsspieltage sind optimal), aber er lernt auch älteren Hunden mit Respekt zu begegnen. Besonders schön ist es, wenn Sie sich entschließen könnten, mit Ihrem halbwegs erwachsenen Hund, eine Begleithund-Ausbildung der Agility in Erwägung zu ziehen (auch für größere Kinder zu empfehlen). Vielleicht haben Sie auch Spaß an einer Rettungshund- oder der Fährtenhundausbildung. Das intensive Üben auf dem Platz (meist 1 x pro Woche) schweißt Mensch und Hund unheimlich zusammen, bald versteht man sich buchstäblich blind!Nichts fördert ein harmonisches Miteinander so, wie die „Arbeit“ mit seinem Hund. Ein sich langweilender Hund kann ein Nervenbündel sein, das die Tapete von den Wänden reißt!Da ist es schon für alle Beteiligten besser, man lenkt die Energie in erwünschte Bahnen. Gute Hundeplätze erkennen Sie daran, dass die Hunde dort beim Üben einen lockeren freudigen Eindruck machen und nicht die Rute einklemmen, dass kein paramilitärischer Grundton herrscht, die Ausbilder sympathisch sind und mit Menschen umgehen können, Stachelhalsbänder verpönt sind und nur in absoluten Notfällen benutzt werden, dass man Ihnen nicht ständig die Leine aus der Hand nimmt und Sie bevormundet. Fragen Sie Hundeleute auf Spaziergängen, ob sie einen guten Hundeplatz in der Nähe wüssten, wenn Sie selbst noch keinen entdecken konnten.


